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Warum sind Fotografen so „teuer“?

Liebe Brautpaare,

 

immer wieder höre ich, dass wir Hochzeitsfotografen so unfassbar teuer wären. Manchmal klingt auch der Vorwurf durch, bei dem Wort „Hochzeit“ würden wir die Preise gleich einmal verdoppeln. Und ich gebe zu: Ich kann Euch verstehen.

Trotzdem trügt Euer Eindruck: Wir sind nicht teuer. Das möchte ich Euch in diesen Zeilen einmal versuchen zu erklären.

Unsere Preise haben zwei Komponenten: Unsere handwerkliche Leistung und die damit verbundenen Kosten auf der einen und einen „kreativen Aufschlag“, der unsere künstlerische Leistung honoriert. Während man das erste relativ gut erklären kann, ist das zweite natürlich schwer zu bemessen.

Fangen wir also mal vorne an. Nehmen wir als Beispiel an, Ihr bucht mich 10 Stunden für Eure Hochzeit. Das kostet Euch 1700,- €. Das klingt echt viel. Aber rechnen wir mal wirklich mit spitzem Bleistift, dann sieht diese Kalkulation so aus:

  • 1 Stunde Mailverkehr nach Eurer Anfrage, Telefonate, Terminsuche für das Vorgespräch
  • 2 Stunden Vorgespräch inkl. Kaffee
  • 1 Stunde Angebotserstellung, Abstimmung mit Euch, Buchung, Auftragsbestätigung, Erfassung aller wichtigen Daten
  • 3 Stunden Probeshooting inkl. An- und Abfahrt
  • 2 Stunden Bearbeitung der Bilder aus dem Probeshooting
  • 1 Stunde Locationchek (zur Not direkt vor Eurer Hochzeit)
  • 2 Stunden An- und Abfahrt zu Eurer Hochzeit
  • 10 Stunden Fotografie (das ist der Teil des Eisbergs, den Ihr seht…)
  • 4 Stunden Einlesen der ca. 2000 Fotos, Backup, Sichtung und Auswahl
  • 16 Stunden Bearbeitung der 500 ausgewählten Fotos (2 Minuten/Foto)
  • 1 Stunde Exportieren auf Datenträger, Verpacken, Rechnung schreiben, Erstellen Eurer Online-Galerie
  • 2 Stunden Abschlussgespräch, Bilder anschauen, Wein trinken

macht 45 Stunden Arbeit für 10 Stunden Fotografie und 500 Fotos für Euch.

Für mich ist das ein Stundenlohn von knapp 38,-. Daraus bezahle ich:

  • Equipment im Wert von 10.000-15.000 €
  • Einen schnellen Rechner, kalibrierte Monitore, Backup-Festplatten
  • Software zur Bildbearbeitung und Auftragsabwicklung etc.
  • Online-Dienste für die Bereitstellung Eurer Fotos
  • Auto und Miete
  • Werbung und Marketing
  • Betrieb der Webseite
  • Workshops, Fachliteratur, Abos
  • Steuer, Versicherungen
  • mein Leben

Ein paar weitere Überlegungen:

Die Hochzeitssaison geht von Mai bis Oktober, das sind faktisch 24 Wochenenden, an denen wir Hochzeiten fotografieren können. Wenn man sehr viel Glück hat, ist wirklich jedes Wochenende mit einer 10 Stunden Reportage gebucht, an manchen Wochenenden (sagen wir 10) auch noch der Freitag. Extrem unwahrscheinlich, aber na ja. Dann sind das 34 Reportagen a 1700,-, macht knapp 58.000,- € Umsatz. Nach Steuern landet ein perfekt ausgelasteter Hochzeitsfotograf , der von Mai bis Oktober ohne Wochenende und Urlaub durcharbeitet, bei rd. 45.000,- Einnahmen, aus denen er noch seine gesamte Alters- und Krankenversicherung bezahlen und seinen Lebensunterhalt bestreiten muss. Im Winter macht er Aqkuise, Vorgespräche, freie Arbeiten, Workshops und Fortbildungen, seine Steuerklärung und das Update von Webseite und Blog. Und vielleicht mal Urlaub.

Genug lamentiert!

Ja, ich liebe diesen Job, ich stehe im Sommer an tollen Locations und darf glückliche Menschen fotografieren. Ich darf mein Hobby zum Beruf machen und bin glücklich, wenn ich glückliche Kunden habe. Hochzeitsfotograf ist ein toller Job. Aber reich wird man damit nicht. Zumindest dann nicht, wenn man den für Euch auf den ersten Blick hohen Preis von 1700,- € für eine Hochzeitsreportage verlangt.

Warum gibt es dann auch günstigere Hochzeitsfotografen?

Ganz einfach: Weil sie nicht rechnen können, andere Aufträge haben, oder nicht davon leben müssen. Ein Großteil der Hochzeitsfotografen macht dies nebenberuflich, als Kleinunternehmer oder als Hobby, das auch ein wenig Geld abwirft. Der Hauptjob bezahlt die Miete, die Fotografie trägt sich gerade sebst. Manche können auch schlicht nicht rechnen und sind nach kurzer Zeit wieder vom Markt verschwunden, weil bei der ersten kaputten Kamera das Geld nicht für eine neue reicht oder sie merken, dass sie für 10 Stunden Auftrag 45 Stunden arbeiten müssen.

Aber mal ehrlich, einige sind doch wirklich unfassbar teuer, oder?

Ja, es gibt wie in jeder Branche, diejenigen, die es „geschafft haben“ und damit sind wir beim zweiten Part: Kunst und Kreativität. Gute Fotografie und geschicktes Marketing machen aus einem guten Fotografen einen erfolgreichen Fotografen. Einige sind so bekannt, dass sie nahezu jeden Preis aufrufen können und auch beim Doppelten und Dreifachen meiner Stundensätze noch Kunden finden. Dies ist dann das Honorar für die Kreativität und Kunst, nennen wir es den „Rembrandt-Aufschlag“. Ich finde ihn völlig legitim, warum sollen aussergewöhnliche künstlerische Leistungen nicht auch entsprechend honoriert werden, dahinter steht ja auch eine jahrelange Erfahrung und Entwicklung der Bildsprache und künstlerischen Identität. Während man über die echten Stunden und Kosten reden kann, entzieht sich dieser Rembrandt-Aufschlag der Diskussion, das muss jedes Paar mit sich selbst ausmachen, wieviel ihm dieser spezielle Kollege oder diese Kollegin wert sind.

Ja, und jetzt?

Jetzt wisst Ihr, wie ein Hochzeitsfotograf kalkuliert und dass Preise irgendwo bei 170,-/Stunde kein Wucher und keine Unverschämtheit sind, sondern eher das untere Ende dessen, was ein seriöser Fotograf nehmen muss, um sauber zu arbeiten und davon leben zu können. Schätzt seine Arbeit, freut Euch an den Bildern und feilscht nicht mit ihm um einen 10er. Die Zeit, die er kalkuliert ist Zeit für Euch, Eure Fotos, Eure Betreuung und damit für Eure Zufriedenheit.

2 thoughts on “Warum sind Fotografen so „teuer“?”

  1. Sehr verständlicher und guter Beitrag. Das holt wirklich ab und schafft Verständnis für ein gutes Preis/Leistungsverhältnis. Ich habe gerade ein Angebot für 10 Stunden Fotos (450) für 3000€ erhalten und kann jetzt besser einschätzen was der „Kreativaufschlag“ hier ist. Merci!

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