logo

Liebe Kirche,

wir müssen mal reden. Irgendwie stehst Du mit uns Hochzeitsfotografen auf Kriegsfuß. Verstehe mich nicht falsch: Ich bin grundsätzlich auf Deiner Seite. Ich komme aus einem Theologen-Elternhaus, habe selbst kirchlich geheiratet und freue mich jedes Mal, wenn ein Paar zu mir kommt und sich kirchlich trauen lassen will. Ich mag dich wirklich, trotz Deiner Unbeweglichkeit, trotz Deines häufig so humorlosen und uninspirierenden Personals. Ich finde einfach, Deine Message ist so unfassbar universal und großartig, das stellt alles andere in den Schatten und lässt über die ein oder andere Schwäche hinwegsehen.

Trotzdem: Ich habe gerade einen Hals auf Dich, bzw. auf Deine Vertreter. Es scheint so, als wären Pastoren und Fotografen natürliche Feinde, zumindest, wenn es um Hochzeiten geht. Neulich bekam ich wieder so eine Ansage: „Ein- und Auszug. Sonst nichts. Genießen Sie den Gottesdienst.“ Kein Kompromiss, kein Frage, wie alle glücklich werden können: Kirche, Gemeinde, Paar, Fotograf.

Ein wenig kann ich Dich verstehen: Du hattest bestimmt schon tausendmal Besuch von fürchterlichen Hochzeitsfotografen: Blitzlicht, Dauerfeuer, Rumspringen im Altarraum und am besten noch mit irgendwelchen Kommandos für das Brautpaar. Leute, die mit Kirche nichts anfangen können und Gottesdienste nicht achten, kein Gespür für falsche und richtige Momente haben und für die eine Kirche nur eine „Location“ ist und ein Gottesdienst ein Fotoshooting mit Musik.

Aber wir sind nicht alle so. Viele von uns stehen mehrmals im Monat in einer Kirche, kennen Gottesdienste verschiedenster Konfessionen und bringen alleine dadurch vielleicht auch ein Gespür für die Besonderheit dieses Raumes und einer kirchlichen Trauung mit. Wir können nahezu lautlos fotografieren und benötigen keinen Blitz. Wir wissen, wann das Fotografieren stört und wann nicht und fotografieren ganz gezielt, weil wir einen Plan haben. Im Idealfall bemerkt man uns nicht.

Ich verstehe, dass Du den Gottesdienst schützen willst, dass Du ein Gespür dafür wecken willst, dass man nicht alles festhalten kann und besondere Momente sich in die Herzen und nicht auf Speicherkarten brennen sollten. Aber manchmal übertreibst Du es etwas.

Warum hast Du so eine Angst, dass die christliche Botschaft unter die Räder kommt, wenn dabei fotografiert wird? Ist die Liebe Gottes so schwach, dass wir sie nicht mehr verstehen und wahrnehmen, wenn eine Person im Raum sich um schöne Fotos kümmert? Wir stören nicht, sondern sorgen dafür, dass die anderen sich ganz auf die Trauung konzentrieren und das Handy in der Tasche lassen können.

Warum bist Du so verschlossen? Wir leben in einer Welt der Bilder. Deine Welt des Wortes ist 500 Jahre alt. Lass das Leben doch in Deine Kirchen. Ganz entspannt. Habe keine Angst um die „Unversehrtheit“ Deiner Botschaft, glaube doch selbst an ihre Kraft. Ich habe immer das Gefühl, dass Du einen Großteil Deiner Kraft darauf verwendest, „Störungen“ abzuhalten. Wir halten das, was Du tust, fest und tragen es in Form von Bildern in die Welt. Wir zeigen Deine Erhabenheit, Deine Tradition, Deine Freude und anhand unserer Bilder wird im Freundeskreis darüber gesprochen, wie schön ein Gottesdienst war. Wir könnten so viel für Dich tun, wenn Du nicht so abweisend wärest.

Die Ansage „Ein- und Auszug“ reduziert Dich auf zwei (!) belanglose Bilder von einem Paar, das einen Gang hinuntergeht. Ist das Dein Anspruch: „Rein und Raus, aus die Maus?“ Willst Du, das im visuellen Speicher einer Hochzeit 2 von 500 Bildern den Gottesdienst abbilden? Komm schon, das kann es nicht sein.

Wir wollen nicht stören, wir wollen dokumentieren, Zeugnis ablegen von dem schönsten Tag unserer Paare. Wir suchen Emotionen und wollen Verbundenheit und Liebe in Bildern festhalten, dazu gehört auch die Liebe Gottes  und das, was sie mit unserem Paar macht, wenn die beiden vor Dir stehen.

Klar, wir haben auch einen Anteil am Dilemma. Der ein oder andere von uns benötigt vielleicht auch ein paar Ansagen, um sich im Gottesdienst zurecht zu finden. Viele von meinen Kollegen sind leider gar nicht mehr in der Kirche, mögen sie nicht, können mit Religion nichts anfangen. Man könnte darüber nachdenken, warum das so ist, warum freie Trauungen so boomen. Man könnte die kirchliche Trauung als Chance sehen, Menschen wieder für Kirche zu begeistern. Aber das ist ein anderes Thema.

Mir geht es um eine gute Zusammenarbeit, damit wir auch Dich und Deine Botschaft in Bildern für unsere Paare festhalten können. Lass uns einen Kompromiss schließen:

  • Wir dürfen beim Ein- und Auszug fotografieren
  • Nach dem Einzug machen wir ein paar Fotos von vorne vom Brautpaar
  • Während der Gebete, der Fürbitten, des Segens und während des Glaubensbekenntnisses (wenn es denn eines gibt) und der eigentlichen Trauzeremonie lassen wir die Kamera aus.
  • Während der Lieder dürfen wir ein wenig fotografieren und den ersten Kuss genauso.
  • Dazwischen sitzen wir artig in der Bank, genießen in der Tat den Gottesdienst, singen vielleicht sogar mit.
  • Wir laufen nicht mehr als notwendig herum, stellen keine Stative oder Lampen auf, stellen die Kamera auf „silent“ und das Piepsen vom Autofokus aus.
  • Am Anfang weist der Pastor darauf hin dass der Fotograf sich um schöne Fotos kümmert und alle anderen sich nur auf den Gottesdienst konzentrieren müssen. Uns nerven hochgehaltene Handys nämlich genauso, wie Dich…

 

Wie entspannt könnte alles sein. Für Dich, für uns, für das Paar und die Gäste. Denk doch nochmal drüber nach, oder?

 

Nachtrag 30.07.2017:

Selten hat ein Blogpost so hohe Wellen geschlagen, wie dieser. Nach einer Welle der Kommentare von Fotografen, kam eine Welle der Kommentare von Pastoren und Pfarrerinnen. Ich habe mich sehr gefreut, dass das Thema offenbar auch in Kirchen sehr kontrovers diskutiert wird und mir doch aber größtenteils Verständnis entgegengebracht wurde. Besonders gefreut habe ich mich, dass Wolf-Dieter Steinmann vom Südwestrundfunk SWR ein zweiteiliges Interview mit mir zu diesem Thema geführt hat, das am Sonntag, den 6. August 2017 in der Reihe „Begegnungen“ gegen 9:15 Uhr bei SWR1 ausgestrahlt wurde. Wer es verpasst hat, kann sich die beiden Teile hier nochmal in Ruhe anhören.

 

Teil 1:

 

Teil 2:

 

28 thoughts on “Liebe Kirche,”

  1. Lieber Matthias,
    vielen Dank für diesen Beitrag! Ich musste ein wenig schmunzeln als ich gerade durch Zufall darauf traf.
    Eigentlich bin ich vor 3 Stunden erst daheim den ich begleitete heute die letzte Hochzeit in diesem Jahr.
    Der Geistige war sehr offen und zeigte vollstes Verständnis für den Wunsch meiner Kunden was Fotos anging. Leider hüpften zeitgleich zwei Mitglieder der Familie umher und brachen mit ihren Blitzen und ständig umstellenden Videokameras (sogar ein Besuch auf dem Podest des Altars lies man sich nicht nehmen) die Romantik der Trauung trotz vorheriger Absprache. Mich stört es in der Regel nicht, wenn Familienmitglieder ein wenig fotografieren oder weitere gebuchte Fotografen oder Videografen ihren Job machen. Leider kann ich die Gemeinden echt verstehen und es ärgert extrem weil es mega schade ist das durch solch Handlungen und anscheinend verpasster deutlicher Aussagen im Vorfeld sowas immer noch vorkommt. Ich führe inzwischen nochmals kleine Dialoge mit dem Pfarrer ( die man meist ja schon kennt ) welcher vor dem beginn der Trauung darauf hinweist das ein Fotograf vor Ort ist und alle anderen entsprechende Gerätschaften ausgeschaltet lassen sollen. So wie heute …hat wunderbar geklappt 😀 (Ironie aus ) . Wir machen das BESTE raus, sucht einfach mehr das Gespräch mit Pfarrer und Küster/in um durch eine ordentliche Argumentation zu Punkten…meine Erfahrungen sind da echt positiv und zu 80% darf ich dann vom Gegenteil überzeugen.
    ICh wünsche dir weiterhin viel Erfolg !

    Beste Grüße
    Sven

  2. Nun gibts solche und solche Fotografen. Da wird mir als Liturg in die Augen geblitzt, da sind plötzlich soviele einzelne, von der Familie etxra bestellte Fotografen am Start, dass ich das Gefühl hatte, auf ner Pressekonferenz zu sein, in der der Rücktritt von Merkel verkündigt wird.

    Insofern wird abgesprochen, was die Menschen wollen und was ich mir wünsche. Dazu gehört neben dem in dem tollen Artikel genannten:

    – keine eiligen Schritte, sondern langsames Gehen
    – der Altarraum ist tabu für den Fotografen

    Fotografieren während so intimer Momente wie Segnungen, die eigentlichen Taufe oder Abendmahlsfeiern möchte ich zumeist gerne vermeiden. Es ist ja dann doch so, dass sich alle bei diesen doch sehr besonderen Augenblicken (auch ich!) im Hinterkopf fragen: „Seh ich jetzt auch gut aus fürs Familienalbum und die Ewigkeit des Internets?“ Das baut zusätzlich negative Spannung auf, die so nicht sein muss. Da gibts meistens dann noch ne sehr sehr große Schnittmenge, in der tolle Bilder entstehen können!

    Ein Tip für alle Brautpaare und Kolleg*innen: setzt das Paar nicht mit dem Rücken zur Gemeinde, sondern da, wo es eben möglich ist, an die Seite. So hat das Paar die Gemeinde und die Gemeinde das Paar und den Liturgen im Blick. Erleichtert die Arbeit des Fotografen übrigens auch ungemein.

    Weiterhin schöne Bilder wünsche ich!

  3. Liebe FotografInnen,
    ja, wir müssen wohl mal reden. Es könnte in der Tat so entspannt sein. Aber irgendwie scheint es, als hätten viele von Euch ein Problem mit uns. Versteht mich nicht falsch.
    Ich bin eine Pfarrerin, die eine große Leidenschaft für die Fotografie hat. Fotografie ist eine wunderbare Kunst, die Emotionen, Augenblicke, schöne Momente einfängt und abbildet. Und ich habe Achtung vor Menschen, die dies können und sich zum Beruf gemacht haben.
    Aber irgendetwas läuft falsch zwischen uns.
    Dabei lese ich hier doch einen ganz vernünftigen Vorschlag. Den könnte ich eins zu eins übernehmen – wenn ich nicht schon so unglaublich viele andere Erfahrungen gemacht hätte. Da gibt es Fotografen, die während des Gebets mit dem 200er-Objektiv frontal die Betenden ablichten, und dies begleitet von den nicht abgestellten Tönen der Kamera. Oder solche, die unvermittelt einen Scheinwerfer einschalten, der dazu führt, dass ich als Pfarrerin den Blick nur noch auf die Gefahr hingeben kann, die nächsten Minuten nur Sternchen zu sehen. Oder solche, die den Platz vor dem Altar als den ihren wählen.
    Ich weiß, dass wir es Euch nicht immer leicht machen. Und manchmal machen es uns auch die bestehenden Ordnungen und Beschlüsse nicht leicht. Aber ich weiß auch, dass es leider viele FotografInnen gibt, die es eben gar nicht für nötig erachten, mit uns zu sprechen und nach guten Lösungen zu suchen. Dass Paaren oft auch der Eindruck vermittelt wird, dass wir ohnehin gegen alles sind. Das ist schade, denn ich bin auch daran interessiert, dass der Gottesdienst als echter Bestandteil eines wunderbaren Tages gesehen – und auch abgebildet wird. Darum würde ich die Vorschläge gerne übernehmen! Denn in der Tat, damit lässt sich arbeiten:
    – Ihr dürft beim Ein- und Auszug fotografieren und nach dem Einzug ein paar Fotos von vorne vom Brautpaar machen, so lange die Musik spielt.
    – Während der Gebete, der Fürbitten, des Segens und während des Glaubensbekenntnisses (wenn es denn eines gibt) und der eigentlichen Trauzeremonie lässt ihr die Kamera aus.
    – Während der Lieder dürft ihr ein wenig fotografieren und den ersten Kuss nach der Trauung genauso.
    – Dazwischen sitzt ihr (wenn ihr es so nennen wollt artig) in der Bank, genießt in der Tat den Gottesdienst, singt vielleicht sogar mit. Ich bin überzeugt, dass Menschen, die sich dem Geschehen auch innerlich etwas hingeben auch mehr Emotionen einfangen können.
    – Ihr lauft nicht mehr als notwendig herum, stellt keine Stative oder Lampen auf, stellt die Kamera auf „silent“ und das Piepsen vom Autofokus aus.
    – Am Anfang weise ich darauf hin, dass der Fotograf sich um schöne Fotos kümmert und alle anderen sich nur auf den Gottesdienst konzentrieren müssen.
    Wenn wir uns darauf einigen können, dann stehen uns schöne gemeinsame Feiern bevor, in der wir beide unser Bestes geben und uns gegenseitig unterstützen. Es könnte so einfach sein!
    Eine fotografierfreudige Pfarrerin.
    P.S Ich würde mich ja auch freuen, wenn ich dann ein Foto bekommen würde…

  4. Lieber Matthias,
    vielen Dank für diesen Artikel!
    Ich bin selbst auch mit Kirchens groß geworden und fotografiere auch Hochzeiten. Bisher hatte ich Glück und wurde nicht schon nach den ersten Fotos auf die Bank geschickt. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich schon im Vorfeld mit meinen Brautpaaren über die Fotos in der Kirche unterhalte. Der Pfarrer/Die Pfarrerin weiß dann schon etwas von mir und kann hoffentlich meine ruhige Art beim Fotografieren in der Kirche einschätzen.
    Das habe ich aber als Gast auch schon anders gesehen und kann deshalb die abwehrende Haltung der Talarträger verstehen. Wer schon mal schlechte Erfahrungen gemacht hat, sagt gleich erst mal kategorisch nein.
    Von daher finde ich Deine Vorschläge prima und noch besser finde ich die Kommentare aller Pfarrer hier!
    Bis zur nächsten Hochzeit,
    Boris

  5. Lieber Matthias,
    Ein Profi, vielleicht zwei, im Traugottesdienst sind mir willkommen – und etwas anderes als das, was du zum Schluss an Verhaltensregeln schreibst, wünsche ich mir als Pfarrerin gar nicht. Oft habe ich erlebt: das klappt super. Und verhindert, dass die Gemeinde die Handys zückt. Habe aber auch erlebt, dass der angekündigte eine (professionelle) Fotograf plötzlich zu dritt da war: einer, um unaufhörlich close-ups vom Brautpaar zu schießen. Einer, um kein Tränchen der Gemeinde zu verpassen. Einer, um zu filmen. Mit dem hatte ich einen Platz ausgemacht, an dem die Kamera stehen soll – hat ihn nicht gehindert, oft die Position zu ändern.
    Das sind Erlebnisse, die mich, die Pfarrerin und Fotografentochter, jedes Mal gespannt sein lassen, wenn ich es mit neuen Fotografen zu tun habe, ob Profis oder nicht.
    Schöne Fotos sind viel wert – besonders, wenn man ihnen ansieht, dass die Menschen darauf ganz im Moment sein konnten, ohne Anspannung, wie sie vor der Kamera wirken könnten.
    Liebe Grüße!

  6. So viele Worte für so ein kleines Anliegen.
    Und so moralinsauer.
    Und mit einer abstrakten Anrede.
    Wer mit solchem Pfarrer-Sprech angesprochen werden will, ist eh immun gegen die Vorschläge.
    Und wer einigermaßen richtig tickt, kann mit Profis umgehen.
    Nichts für ungut!

    • Hallo Hagen,

      Ich verstehe zwar Dein Anliegen nicht, aber natürlich hat auch Dein Kommentar hier Platz. Auch ganz ohne Anrede.

      Mit moralinsauren Grüßen
      Matthias

  7. Lieber Fotograf.

    Genauso, wie Sie es sich wünschen, halte ich es bei Trauungen seit Jahren und freue mich, dass der Fotograf zum selben Ergebnis kommt, wie der Pastor. Nicht immer teilen die Kollegen, Ihre und meine, unsere Ansicht. Aber nun kann ich auf Sie verweisen. Freut mich.

  8. Hallo Matthias, auf Deine Kompromissvorschläge könnte ich mich sofort einlassen. Mach ich eigentlich auch immer so ähnlich. Aber meine Statistik sieht so aus, dass die Mehrheit Deiner Kollegen Absprachen (oder von ihnen als Diktat erlebte Ansagen wie: Während des Ringwechsels nicht auf drei Meter an das Brautpaar herantreten, um eine Nahaufnahme zu machen, aber damit alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen) nur einhalten, wenn ich kleinste Regelverstöße sofort mit bitterbösen Blicken quittiere – was ich ausgerechnet bei einer Trauung nicht will. Als ich neulich mit einem sonst ganz netten Fotografen hinterher dieses Thema diskutierte, argumentierte der permanent damit, dass angesichts seines hohen Honorars nun einmal die bestmöglichen Bilder eindeutig im Zentrum stehen müssten. Vielleicht erklärt das manchen meiner Kollegen, die dann die harte Linie wählen – was ich so schade finde wie Du.

  9. Lieber Fotograf,
    Auch ich bin Pfarrerin und habe mit Fotografen nur gute Erfahrungen gemacht. Und die dürfen gerne von Abfang bis Ende des Gottesdienstes fotografieren. Ich bitte nur immer darum, beim Kuss darauf zu achten, dass niemand zwischen Braut (Bräutigam) und Bräutigam (Braut) gerät. 🙂 So unbeweglich ist das Personal in der Kirche gar nicht, fühl dich willkommen. Mir ist jeder gute Fotograf lieber, als wenn die halbe Hochzeitsgesellschaft nur noch durch den Handydisplay guckt und das Brautpaar bei so virlen Kameras gar nicht weiß, wo es zuerst hungucken soll.
    Ich weiß, ihr Fotografen habt es nicht immer leicht mit uns Pastoren. Aber wir sind auch wirklich ganz nette Menschlein, oft mit großem Herzen. Und wenn die Großtante der Braut nach dem Gottesdienst zu mir kommt und sagt: “Frau Pfarrer, das war ja ein schöner Gottesdienst aber bei uns in der Kirche hat der Kirchenvorstand beschlossen, darf man nicht fotografieren.Das stört doch!“ Dann lächele ich und sage: “Mich stört es nicht. Unseren Kirchenvorstand auch nicht. Und es ist doch der Tag des Brautpaares. Die Fotos werden sie immer daran erinnern, dass sie an dem Tag auch hier in unserer Kirche waren.“

  10. Lieber Matthias,
    du sprichst mir aus der Seele. Mir ging es auch schon oft so. Dabei wollen wir Fotografen doch im Grunde dasselbe wie die Kirche: das Brautpaar bei seinem großen Tag begleiten und helfen, dass dieser einmalig wird. Habe deinen Beitrag gerade auf meiner facebook-Seite verlinkt. Vielleicht hilft es ja dabei, dass wir in Zukunft mit der Kirche Hand in Hand arbeiten.

  11. Als ich in meinem Gemeindepraktikum bei einer Hochzeit dabei war, durfte der Fotograf auch während der Zeremonie fotografieren. Er war so weit auch recht diskret…nur leider quietschen seine Schuhe so laut, dass das mit dem Schleichen nicht so geklappt hat. 😀 Und das Klackklackklack des Auslösers wirkte auf jeden Fall treffsicher. Ich fand es eher witzig. Aber ich musste ja auch nicht den Gottesdienst halten.
    Trotzdem werde ich an Ihren netten Artikel denken, sollte ich tatsächlich mal Pastorin werden, und die Fotografen gewähren lassen. Einigung auf die oben genannten Punkte sollte drin sein. Aber vielleicht lasse ich ihn vorher erst einmal durch den Raum laufen und horche angestrengt. Zur Not auf Socken. 😉
    Viel Spaß und Erfolg weiterhin in Ihrem Beruf!

  12. Lieber Matthias,
    schade, dass Du so schlechte Erfahrungen mit meiner Zunft gemacht hast…
    Ich gehöre nämlich zur predigenden Zunft. Und ich habe, immer dann, wenn professionelle Fotografen am Werk waren, gute Erfahrungen gemacht.
    Eben weil sie wissen, wie ein Gottesdienst abläuft, weil sie wissen, was geht und was nicht. Ich wünsche Dir, dass Du auch andere Kolleginnen und Kollegen triffst.
    Damit wir alle das gemeinsame Ziel erreichen- dass das Brautpaar einen schönen Tag hat. Mit schönem Gottesdienst UND schönen Bildern, die helfen, dass sie sich gerne daran erinnern.

    • Vielen Dank für die netten Worte! Ich freue mich besonders über die Rückmeldungen von Pastoren. Und erst recht über so ermutigende.

  13. Liebe Fotografie.
    GAR KEIN THEMA. Komm gerne vorbei. Halt dich einfach in meinem Rücken. Dann hast du den besten Blick auf Brautpaar und Gemeinde 🙂
    (D)eine Kirche

    • Liebe Kirche,

      da steht sehr häufig der Altar, und an dem wollen wir ja gar nicht herumturnen. 😉

      Aber ich komme auf Sie zu, wenn ich in Lübeck bin, dann finden wir eine Lösung.

      Bis dahin,
      Ihr
      Matthias Fischer

  14. Lieber Herr Fischer,

    vielen Dank für Ihre wertschätzenden aber konstruktiv-kritischen Worte.
    Ich kann viele der von Ihnen geäußerten Anmerkungen nur teilen.
    Als Pastorin und ehemalige Braut kann ich sehr gut verstehen, warum Fotos so wichtig für die Erinnerung sind. Auch ich bemerke den Rausch, in dem meine Brautpaare (und manchmal ganze Hochzeitsgesellschaften) oft stecken. Da ist es gut, einen weiteren Profi an seiner Seite zu haben, der das Erlebte verlässlich einfängt.
    Ich schätze es sehr, wenn vor der Trauung ein professioneller Fotograf oder ansonsten zumindest ein einzelner fotoerfahrener Gast (ein Profi ist mir deutlich lieber) bestimmt wird, damit eben alle anderen die Handys in der Tasche lassen können.
    Nur sehr selten habe ich schlechte Erfahrungen mit FotografInnen gemacht. Mich als Profi stören sie ohnehin meist am wenigsten. Aber das eine oder andere Mal störten sie die Gemeinde oder sogar das Brautpaar und das ist einfach ein „No go“, das von mir dann auch sofort unterbunden wird.
    Doch wie Sie schon sagten, kann man in der Regel alles im Vorfeld besprechen und bei mir gelten lediglich folgende Regeln: Niemand steht bei der Trauzeremonie (insbesondere beim Ringwechsel o.ä.) zwischen mir und dem Paar. Neben uns ist in Ordnung, solange es nicht stört. Während der Zeremonie bitte nur Bilder ohne Blitz. Falls ein Bild unbedingt Blitz erfordert, können wir fast alles nachher nochmal stellen.
    Bitte nicht auf unsere Bänke/Stühle stellen, die Kanzel ist in Ordnung. falls Sie einen Hocker brauchen, bringen Sie ihn bitte selbst mit. Wir übernehmen keine Haftung.
    Spontan fallen mir nur zwei Ausnahmen ein, die vorgenannte Rgeln überhaupt nötig machten. Ein Fotograf, der mal versucht hat, sich während der Trauung abzuseilen, um ein Bild von oben zu bekommen. Entschuldigung, aber das geht wirklich gar nicht. War kurios, hat aber den Fokus völlig von der eigentlichen Trauung abgezogen und damit irgendwie die Stimmung kaputt gemacht. Und der Kollege, den ich fast aus der Kirche entfernen lassen musste, weil er wirklich massiv gestört und gedrängelt hat.
    Wenn ich meckere, dann immer mit Einverständnis des Brautpaares, immerhin ist es ihre Trauung in unserer Kirche.
    Sollten Sie allerdings mal ins schöne Flintbek bei Kiel kommen, freue ich mich schon auf Sie. Das wird bestimmt gut.

    Herzliche Grüße
    Simone Sommer

    • Liebe Frau Pastorin Sommer,

      lieben Dank für Ihre Rückmeldung, genau so muss es gehen. Die Diskussion, die sich um meinen Blogpost entwickelt hat, war fast durchgehend von Respekt gegenüber dem Gottesdienst geprägt, allerdings stolperte ich auch über Kommentare von Kollegen, die mich wiederum ins Grübeln brachte, ob nicht an der ein oder anderen Stelle auch Ihre Kollegen recht haben mit ihrer ablehnenden Haltung. Kurzum: Ich freue mich, wenn Sie uns den Weg bereiten und ich in meinen Kanälen immer die Fahne für ein respektvolles Verhalten in und gegenüber der Kirche hochalte. So bekommen wir im Zweifel am besten hin, was wir alle wollen: Glückliche Paare mit Gottes Segen und schönen Erinnerungen.

      Beste Grüße
      Ihr
      Matthias Fischer

  15. Ja, liebe Kirche, das möchten wir Fotografen, nicht für uns… um uns geht es nicht, sondern für das Brautpaar.

    Und nein, die Fotos sind nicht unnötig, das Brautpaar „hält es nicht in Erinnerung“, man vergißt das meiste, gerade, weil alles in einem Rausch vorbeifliegt. Ich weiß von meiner Trauung vor 16 Jahren kaum noch was.
    Gute, emotionale Fotos bewahren Erinnerungen, bewahren Gefühle!

  16. Bin voll und ganz bei Dir! Wir machen die Fotos zu zweit und bewegen und so wenig wie möglich aber soviel wie nötig. Und der Satz vom Pfarrer die Handys wegzustecken kommt zu unserer Freude auch immer öfter. Die Geistlichen sind begeistert von unserer unauffälligen Art. Gutes Licht und viel Freude weiterhin beim Hochzeiten fotografieren. Irene und Stephan

  17. Schön geschrieben und wie sollte es anders sein?
    Du sprichst auch mir aus der Seele.
    Da kann man als Profi noch so darauf hinweisen sehr diskret zu arbeiten, aber manche scheinen doch sehr verschlossen.

    Gruß aus Köln
    Frank

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.